Programm

Die Referent_innen werden entweder in deutsch oder englisch sprechen. Bitte meldet euch bei uns, wenn ihr Übersetzungen benötigt (am besten auch schon mit Präferenz zu welchen Veranstaltungen ihr gerne gehen würdet, wenn es möglich ist), damit wir besser planen können. Wir werden versuchen alles zu ermöglichen und uns bei euch melden. Wir freuen uns sehr!“

Freitag, 03.06.2016


17:00-19:00     Worldcafé

18:00-19:30     Abendessen

19:30         

Als Auftakt zu einem großartigen und vielschichtigen BAKJ-Wochenende mit Workshops zu unterschiedlichen geschlechtsbezogenen Rechtsthemen bildet der Eröffnungsvortrag Freitagabend einen rechtstheoretischen Einstieg. Der Vortrag behandelt die Struktur und gesellschaftliche Wirkung von Recht und zeigt auf, wie es Geschlecht konstruiert und sexistische Herrschaftsverhältnisse abstützt, aber auch welche Chancen es für emanzipatorische Politikbestrebungen bietet. Dafür wird zum einen die neo-materialistische Rechtstheorie von Sonja Buckel bemüht, zum anderen die radikaldemokratische Perspektive auf den Rechtsstaat von Ingeborg Maus herangezogen – einer zu unrecht wenig rezipierten Vertreterin der Kritischen Theorie. Das Vortragsthema wird erarbeitet entlang zweier Beispiele: Erstens dem Zwang zur Zweigeschlechtlichkeit im real existierenden Rechtsstaat sowie zweitens die (nicht nur) derzeitige Debatte zum Sexualstrafrecht. Mehr als erwünscht ist es, diese Themengebiete in der anschließenden Diskussion gemeinsam zu vertiefen und die Wirkweise des Rechts in Interaktion mit der sonstigen gesellschaftlichen Geschlechterordnung gedanklich näher zu erkunden. Ziel des Vortrags ist es, dass alle eine analytische Grundlage mit in den folgenden Workshoptag nehmen und in den Einzelworkshops an weiteren Ansatzpunkten für eine rechtstheoretisch informierte Kritik feilen können. Kurz: Theorie der kritischen Praxis wegen – nicht Theorie der Theorie wegen.


Samstag, 04.06.2016


9:00-10:45      Frühstück

10:45-13:00     Workshopphase 1

This two-part workshop will address the situation of LGBTIQ in Germany. The
first part will look at the actual situations and experiences of LGBTIQ
refugees and which of their rights are being violated. The second part will
take an analytical look at pinkwashing and instrumentalization in the
context of LGBTIQ asylum in Germany.

Pornographie wird begrifflich zwischen sozialschädlichem Schund, einer
Verletzung der Menschenwürde / des sexuellen Selbstbestimmungsrechts von
Frauen und sexpositiver Inspiration verortet. Nach einer Vergewisserung über
dieses Spannungsfeld werden wir uns vor dem Hintergrund der feministischen
Bewegungen gegen und für Pornographie, der aktuellen Wirkungs- und
Nutzungsforschung und medienpädagogischen Erkenntnissen interaktiv mit der
Wirkmacht von Pornographie auseinandersetzen: Vermag sie zu sexualisierter
Gewalt oder sexuell aggressivem Verhalten motivieren, ist sie belanglos oder
vielleicht sogar in einem emanzipatorischen Sinne inspirierend?

CAREarbeit ist nicht nur die Sache von gestressten Eltern und unterbezahlten Pflegekräften, sondern ist der (oft) unbeleuchtete Teil unseres eigenen Arbeitsbegriffs. Dabei ist es gerade dieser reproduktive Teil, der uns das Leben, Arbeiten und Kämpfen erst ermöglicht. Deshalb wird es Zeit, CAREarbeit in unser Konzept von Arbeit zu integrieren.

Der Workshop wählt einen praktischen Ansatz: mittels der FUTURE ARCHIVE Methode blicken wir 15 Jahre in die Zukunft, und zwar in unsere eigene. Wir hatten das Glück, unsere Idealvorstellungen verwirklichen zu können und besprechen nun im Rückblick: wie war das eigentlich „damals“, als wir unsere Wünsche und Ziele in die Tat umsetzten? Auf welche Hindernisse und Schwierigkeiten trafen wir dabei? Wie haben wir sie überwunden?

Ziel der Methode ist, aus höchst individuellen Perspektiven kollektive Handlungsstrategien zu entwickeln und so CAREarbeit nicht als Privatsache, sondern als politisches Feld zu beackern.

13:00-14:30    Mittagessen

14:30-16:30     Workshopphase 2

( english)

In diesem Workshop werden wir die historischen und rechtlichen Kontinuitäten kolonialer Disziplinierungs- und Unterbringungspraktiken in Deutschland untersuchen. Dabei werden wir uns internationaler Rechtsrahmen widmen: Welche Vorgaben gibt es hinsichtlich der Lagerunterbringung von Geflüchteten? Wie werden Residenzpflicht und andere räumliche und wohnliche Restriktionen für Geflüchtete in völkerrechtlichen Abkommen gewertet?
Und schließlich: wie können wir Argumente gegen die Lagerunterbringung von Geflüchteten aus international-rechtlichen Vorgaben formulieren?

Der Workshop positioniert sich gegen die unfreiwillige Lagerunterbringung von geflüchteten Personen jeglichen Geschlechts und jeglicher Sexuellen Orientierung und sieht diese Maßnahme als Teil einer kolonialen Politik, die in der deutschen Geschichte und Rechtspraxis fest verankert ist.

Lager abschaffen – ein queerfeministisches Thema!

Der derzeitige Rechtsstaat klassifiziert Menschen nach Geschlechternormen und trägt ihnen im Personenstand Mann, Frau oder ( ) ein. – In diesem Satz zeigen sich schon zentrale Problempunkte, die aus einer queeren Perspektive zu kritisieren sind: Die benennbaren Geschlechtergruppen reduzieren sich auf Mann oder Frau. Inter*-Personen werden zwar inzwischen nicht mehr in eine der Kategorien hineingezwungen, haben aber nur die Alternative, gar keinen Geschlechtseintrag zu haben. Für trans*-Personen gilt noch immer das „Transsexuellengesetz“ als Sondergesetz und Eintragungen können nur Mann oder Frau lauten. Eine vollwertige, rechtliche Anerkennung von Geschlechtern, die über die binäre Geschlechterordnung hinausgehen, steht nach wie vor aus.

Außerdem ist zu kritisieren, dass die Einordnung nicht etwa am Recht auf Selbstbestimmung der eigenen Geschlechtsidentität orientiert ist, sondern als Entscheidungsinstanzen die Psychatrie-Medizin einerseits und die Justiz andererseits berufen werden, die Geschlechtervielfalt als Krankheiten pathologisieren. Dieser Zustand verletzt Grund- und Menschenrechte der Betroffenen. Zugleich trägt er dazu bei, eine natürlich erscheinende, binär und heterosexistisch gedachte Geschlechterordnung gesamtgesellschaftliche aufrechtzuerhalten.

In dem Vortrag geht es zum einen um die derzeitige Ausgestaltung des Personenstandsrechts (Recht über Pässe, Geburtsurkunden, etc.) und zum anderen um eine rechtstheoretische Analyse und Kritik. Zuerst werden anschaulich die derzeitigen Gesetze erklärt und dargelegt, was das Bundesverfassungsgericht zu geschlechtsbezogenen Grundrechten im Rahmen des Transsexuellengesetzes gesagt hat. Dann wird kurz die rechtspolitische Kampagne Dritte Option vorgestellt, die aktuell für einen dritten Geschlechtseintrag kämpft (www.dritte-option.de).

Im nächsten Schritt analysieren wir das Personenstandsrecht mit Hilfe der sogenannten Rechtsformanalyse, wie sie von Sonja Buckel vorgeschlagen wird. Diese Rechtstheorie bietet die Möglichkeit zu verstehen, wie das Recht als Mechanismus der Macht funktioniert und welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen es hat. Damit kann es uns helfen, über Vor- aber auch Nachteile von emanzipatorischen Rechtspolitiken nachzudenken.

Ziel dieses Inputs ist im Anschluss eine Diskussion und Strategiedebatte zu provozieren. Fragen könnten dabei sein: Wie können queere Alternativen aussehen? Welche Kämpfe können angesichts dieser Zustände im Personenstandsrecht mit den Mitteln des Rechts geführt werden? Und wo stößt das Recht an seine Grenzen? Wo können Interessen von inter*, trans* und queeren Eltern zusammenkommen; wo gibt es Konflikte inhaltlicher oder strategischer Art? Was also tun?

Vortrag und Diskussion richten sich an alle Interessierten – nicht nur an Jurist*innen. Alles wird verständlich erklärt und es gibt jede Menge Platz für Rückfragen.

Die Fallstricke von Gleichheitsrecht das auf Kategorien wie Geschlecht, sexuelle Identität, Rasse, ethnische Herkunft und Religion setzt, werden in der queerfeministischen Debatte unter den Stichworten Dilemma der Differenz und Paradoxien von Rechten kontrovers diskutiert. Antidiskriminierungsgesetze, so das Fazit, bleiben eine imperfekte Lösung für das Problem das sie adressieren. Können Gerichte beschreiben, was es heißt, dass niemand „wegen seiner Rasse“ oder „wegen des Geschlechts oder der sexuellen Identität“ diskriminiert werden darf, ohne dabei selbst Unterschiede festzuschreiben und heterosexistische oder rassistische Zuschreibungen zu reproduzieren, die ihrerseits der Nährboden für Diskriminierung sind? Wird die Einteilung von Menschen in feste Gruppen der sozialen Heterogenität dieser Gruppen und der Intersektionalität von Diskriminierungsrealitäten überhaupt gerecht? Angesichts solcher Fragen ist auch die Debatte um ein postkategoriales Antidiskriminierungsrecht entstanden. Wir wollen auf Basis von Textausschnitten (Texte im Reader) Vor- und Nachteile verschiedener Modelle diskutieren.

Sollen Feminist*innen jede Art von Abtreibung verteidigen? Können Entscheidungen überhaupt selbstbestimmt getroffen werden? Welche Art von Wissen entsteht durch pränatale Untersuchungen? Dienen sie der Vorsorge oder sind sie behindertenfeindlich?

In diesem Workshop soll die aktuelle feministische Debatte um das Spannungsfeld zwischen den emanzipatorischen und systemerhaltenden Potenzialen des feministischen Konzepts „Selbstbestimmung“ in Bezug auf Abtreibung behandelt werden, welche mit zunehmenden Aktivitäten und Demonstrationen von „Lebensschützer*innen“ wieder aufgeflammt ist. Weiterhin werden Gemeinsamkeiten und Konflikte der Frauen*- und Behindertenbewegung sowie die inhaltlichen Differenzen von Frauen* mit und ohne Behinderung herausgearbeitet. Letztlich geht es um den Versuch der Beantwortung der Frage, wie ein selektives und nicht individualisiertes Konzept von Selbstbestimmung gedacht und umgesetzt werden kann.

16:30-17:30     Kaffee & Kuchen

17:30-19:30     Workshopphase 3

Im Workshop “Sexarbeit und das neue Prostituiertenschutzgesetz- und was wir wirklich brauchen” wird ihnen Anja Kasten, selbst Sexarbeiterin und politische Sprecherin des BesD, Einblicke in die Sexarbeit geben.

Es geht darum, was das neue Prostituiertenschutzgesetz an wichtigen Punkten beinhaltet und welche Konsequenzen dieses für die Sexarbeit in Deutschland haben kann.

In einem kleinen Vortrag werden Vor und Nachteile, unter anderem die Anmeldepflicht, die Kondompflicht, die Konzessionierung, die verpflichtende Gesundheitsberatung und der Huren Ausweis für SexarbeiterInnen bedeuten wird.
Es wird angeschnitten, welche Auswirkungen dies rechtlich hat und inwieweit die Konzessionierung in das Baurecht greift. Als „Blick in die Zukunft “ werden einige Beispiele aus Österreich präsentiert. Was das Gesetz dort “erreicht” hat. Denn dort gibt es eine Anmeldepflicht schon.

Zum Schluss gibt es noch ein paar Beispiele was SexarbeiterInnen wirklich an Verbesserungen gebrauchen könnten und was hilft!

If people have to flee from persecution and violence due to queer-, trans-, inter-, homophobia and sexism to seek refuge in Europe, that discrimination doesn’t end in the asylum system.

In this workshop we will discuss the legal situation regarding the recognition of sexed_gendered discrimination as reasons of flight in the German and European asylum system from a legal perspective. Does the law in the books recognize these reasons of flight? How do courts and administration judge them and especially how do people need to “prove” there sexual orientation, sexed bodies, gender identity and sexist_genderistic oppressions in the racist asylum system in enlightened Europe?

In this workshop we will work on legal argumentations from an intersectional perspective to claim human rights for QTILGBW-Refugees.

Es ist kein Geheimnis, dass der Großteil der Straftaten von Männern* begangen wird. Dennoch wurde dieser Umstand lange so nicht thematisiert, viel eher wurde die geringere Delinquenz von Frauen* – als von der männlichen Norm abweichendes Verhalten – hervorgehoben. Auch feministische Kritik lenkte ihren Fokus zunächst auf Frauen, vor allem auch als Opfer. Eine umfassende feministische Strafrechtskritik muss aber auch Männlichkeit/en mit in den Blick nehmen. Die kritische Männlichkeitsforschung versteht die höhere Kriminalität von Männern nicht nur als Ergebnis herrschender Männlichkeitskonzeptionen, sondern auch als produktiven Bestandteil derselben. Insbesondere der Diskurs über die unterschiedliche Gewaltbereitschaft von Frauen und Männern wirkt sich auch auf die Wahrnehmung von und den Umgang mit Personen aus, die wegen Gewalttaten angezeigt oder verurteilt werden. Während männliche Gewalt normalisiert wird, wirkt weibliche Gewalt doppelt-deviant.

In diesem Workshop werden Denkansätze der Kritische Männlichkeitsforschung vorgestellt. Es soll gemeinsam diskutiert werden, wie wir diese für eine feministische Strafrechtskritik anwendbar machen können.

ab 19:30           Abendessen

ab 22:00           Party


 

Sonntag, 05.06.2016


10:00-11:00     Frühstück

11:00-14:00     Plenum

14:00-15:00     Mittagessen


Das ist ein vorläufiges Programm, mindestens die Reihenfolge der Workshops wird sich noch ändern!